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Film und Schule NRW

SchulKinoWochen NRW 2011

Unterricht im Kino: SchulKinoWochen NRW 2011 begeistern mehr als 70.000 Schüler – Kulturministerin Schäfer diskutiert zum Abschluss mit Jugendlichen

Drei Wochen lang haben Schulklassen in ganz Nordrhein-Westfalen die Gelegenheit genutzt, an einem ungewöhnlichen Ort mit Filmen sehen zu lernen. Mehr als 70.000 Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sind dem Aufruf von „VISION KINO – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz“ und der Initiative „FILM + SCHULE NRW“, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und das NRW-Schulministerium gestartet haben, gefolgt und haben an den SchulKinoWochen NRW 2011 teilgenommen.

Zum Abschluss des größten filmpädagogischen Angebots in Nordrhein-Westfalen sahen sich mehr als 200 Schülerinnen und Schüler im bambi Kino in Gütersloh Dietrich Brüggemanns preisgekrönten Spielfilm „Renn, wenn du kannst“ an und stellten im Anschluss an die Vorführung Fragen an der Regisseur, der krankheitsbedingt nicht in Gütersloh sein konnte und per Handy in den Kinosaal dazu geschaltet wurde. Als besondere Gäste bei dieser Veranstaltung waren zudem Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, und Dr. Barbara Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin, anwesend. Auch sie brachten sich nach dem Film in die Diskussion ein und standen den Schülerinnen und Schülern für Fragen zur Verfügung. „Das Kino ist ein wunderbarer außerschulischer Lernort. Kino regt zum Phantasieren und Träumen, zum Erzählen und Freuen an und ergänzend vermittelt es Lerninhalte“, sagte Ministerin Ute Schäfer. Die Filmbildung wecke, fördere und stärke in ganz besonderer Weise die Wahrnehmungsfähigkeit und die kreativen Kräfte von Kindern und Jugendlichen. Sie vermittle Kenntnisse über die Sprache der Bilder, über Bedingungen und Wirkungen von Filmen. Gleichzeitig könnten sich die jungen Menschen kritischer mit anderen medialen Formen auseinandersetzen, so Schäfer.

Die 97 teilnehmenden Kinos in 79 Städten haben mehr als 900 Vorstellungen für die Schulklassen durchgeführt, die aus einem Filmangebot von über 150 Titeln für alle Altersstufen und Schulformen wählen konnten. Alle gezeigten Filme wurden mit kostenlosem Unterrichtsmaterial angeboten und wiesen konkrete Bezüge zu den Lehrplänen unterschiedlichster Fächer auf. Der meistgebuchte Film war mit über 7.000 Anmeldungen der Film „vincent will meer“. Der Kinoerfolg des Regisseurs Ralf Huettner stellt auf ebenso feinfühlige wie unterhaltsame Art die Bewältigung und Akzeptanz psychischer Krankheiten in den Vordergrund und war damit Teil des Sonderprogramms zum Wissenschaftsjahr 2011, das sich mit dem Thema „Forschung für unsere Gesundheit“ befasst. In Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung wurden fünf Filme ausgewählt, die Schülerinnen und Schüler animieren solten, sich mit der Gesundheitsforschung auseinanderzusetzen, Ziele und Möglichkeiten zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und über Chancen und Risiken zu diskutieren. Denn die Gesundheitsforschung hat unmittelbaren Einfluss auf den einzelnen Menschen und auf das gesellschaftliche Zusammenleben.

Einmal mehr gehörten die Filmvorführungen, die Gespräche zwischen Schülern und eingeladenen Filmschaffenden nach sich zogen, zu den Höhepunkten der SchulKinoWochen NRW. Jens Schanze, der Regisseur der soeben mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichneten Dokumentation „Plug & Pray“, nahm eine siebenstündige Bahnfahrt von München auf sich, um mit den Schülerinnen und Schülern im Tichelpark-Kino in Kleve über Robotik und künstliche Intelligenz zu diskutieren. Der Sounddesigner Tobias Fleig begeisterte die Zuschauer des Oscar®-prämierten Films „Die Fälscher“ in Marl mit Einblicken in sein ungewöhnliches Berufsfeld. Im Anschluss an die Vorführung des Erfolgsfilms „Goethe!“ im Schloßtheater in Münster stellte sich der Produzent Christoph Müller den Fragen der Schülerinnen und Schülern und berichtete über die sieben Jahre lang dauernde Entwicklungsodyssee von der ersten Idee bis zum fertigen Film. Im Cineplex in Hamm konnten die Schülerinnen und Schüler mit dem mehrfach preisgekrönten Kameramann Martin Langer ins Gespräch kommen, der für die beeindruckenden Bilder der opulenten Neuverfilmung von „Effi Briest“ gesorgt hat. Er konnte auf anschauliche Weise verdeutlichen, wie arbeitsteilig die Produktion eines Kinofilms vonstattengeht und dass selbst die Kameraarbeit auf ein eigenes kleines Team verteilt ist. Und gleich in drei Städten – Aachen, Brühl und Krefeld – sorgten die Auftritte der „Vorstadtkrokodile“-Darsteller Leonie Tepe, Javidan Imani und David Hürten für leuchtende Augen und zahlreiche Autogrammwünsche beim jungen Publikum.

Anlässlich der 150-jährigen Freundschaft zwischen Deutschland und Japan besuchten Schülerinnen und Schüler einer siebten Klasse eines Kölner Gymnasiums im Japanischen Kulturinstitut in Köln die Vorführung des Films „Kikujiros Sommer“ von Takeshi Kitano, die mit einleitenden Worten des Direktors Professor Ueda Kôji stattfand.

Um auch die Kunstform Kurzfilm in den Blick zu rücken, wurde im Vorprogramm des Tom Tykwer produzierten Films „Soul Boy“ der deutsch-türkische 10-Minüter „Bende Sira – Ich bin dran“ gezeigt, der auf unwiderstehliche Art beweist, dass Kino eine universelle Sprache spricht.

In Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung, den Medienzentren und anderen Partnern wurden zudem eine Reihe von Kinoseminaren und Fortbildungen für Lehrer durchgeführt. Unter Leitung versierter Filmpädagogen beschäftigten sie sich mit Themen wie „Filmvermittlung im Unterricht", „Praktische Filmarbeit“ oder auch Fragen des Urheberrechts im schulischen Filmeinsatz und wurden äußerst positiv aufgenommen.

Auch wenn die Leinwand-Vorhänge der SchulKinoWochen NRW bis zur Ausgabe 2012 erst einmal geschlossen bleiben, hatten Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen bis zum 20. Februar die Chance, Filmkritiken zu den von ihnen besuchten Filmen zu verfassen und damit am gemeinsam mit „Spinxx.de – Onlinemagazin für junge Medienkritik“ organisierten Wettbewerb teilzunehmen. Alle Filmkritiken werden auf www.spinxx.de veröffentlicht, die besten werden mit Sachpreisen belohnt. So kann eine Klasse z. B. einen Trickfilm-Workshop gewinnen oder noch einmal kostenlos ins Kino gehen. Es gibt aber auch  Abos einer Filmzeitschrift oder Einladungen zum Besuch eines Filmfestivals zu gewinnen.